Willkommen bei den Leuchttürmen.

So nennen wir inhaltliche Gedankensammlungen, die als Orientierungspunkte dienen, will man dem Musical und Hölderlins Wirken näher kommen. Im Abstand von mehreren Wochen ergänzen wir neue Themenwelten, bereits bestehende werden mit eurer Hilfe fortlaufend weitergeschrieben.

 

Lust, etwas beizutragen? Kritische Reaktionen und eigenes Material jederzeit an info@hoelderlin-musical.de.

 

„Und die Lieb' auch heftet fleißig die Augen. Was bleibet aber, stiften die Dichter“ schreibt Hölderlin. Angesichts des 250. Jubiläums seines Geburtstags fragen wir uns:

 

Was bleibt wirklich?

 

„Erinnerungen sind niemals Gucklöcher auf reale historische Geschichten. Dazwischen stellt sich eine Projektion der Erinnernden, sodass das Vergangene eingefärbt und verzerrt wird. Vielleicht blicken wir durch eine solche Projektion auf eine frühere Projektion, die auf eine frühere Projektion blickt, die dann… Aber gerade das macht den Vorgang doch so spannend. Wenn wir ohnehin nicht ungetrübt auf Ereignisse zurückgreifen können, dann dürfen wir unser Vermögen, gemeinsam zu erinnern, einsetzen, um uns selbst an Hölder zu spiegeln“,

 

schreibt Edda Schwarzkopf dazu. Sie stellt grundsätzliche Überlegungen an, die dieser Materialsammlung zu Grunde liegen – darüber, wie wir uns als Gemeinschaft überhaupt an Hölderlin erinnern können.

Wie wollte Hölder in Erinnerung gehalten werden? Wie wird Hölder in Erinnerung gehalten?

 

Hölderlin als Denkmal oder Kunstwerk?

 

Eva Ehrenfeld schreibt: „Hölderlin selbst dachte, glaube ich, nicht daran, wie er erinnert werden wollte, zumindest nicht nach seinem Tod. Seinen Freunden wollte er aber gern in Erinnerung bleiben. Damals war die Kontaktmöglichkeit nur der Brief – oder der Besuch. Wenn aber viele Kilometer zwischen den Freunden lagen, waren Besuche äußerst rar und ein besonderer Schatz. Sein Roman 'Hyperion' ist komplett eine Erinnerung; er besteht aus Briefen, in denen die Hauptfigur Hyperion dem Freund Bellarmin schildert, was er erlebt hat und wie er es mittlerweile, aus der Erinnerung heraus, interpretiert und bewertet.“

Hölderlin-Denkmal in Nürtingen von Waldemar Schröder

Foto: Eva Ehrenfeld

Skulptur „Der Genius“ von Emmerich Andresen im Alten Botanischen Garten in Tübingen

Foto: Anton Echter

Skulptur von Ivo Beucker im Garten des Hölderlinturms

Foto: Anton Echter

Das Hölderlin-Kunstwerk im Kreisel in Lauffen, von Johan Schwarzkopf unter der Aufgabenstellung „Was ich liebe“ als Portfolioarbeit für die Hochschule interpretiert. Im Drohnenflug begleitet von eigens dafür komponierter Klangwelt kann ein Kunstwerk selbst zum Gegenstand von Kunst werden. Diese Arbeit bezeugt drei zeitliche Abschnitte: Hölderlin und seine Zeitgenossen, Peter Lenks Ausarbeitung von 2003 und Johans Aneignung 2019.

Peter Lenk kommentiert diese poetische Bearbeitung seines Kunstwerkes mit einem Gedichtzitat:

 

„Die Form, die Formgebärde,
die sich ergab, die wir uns gaben—,
du bist zwar Erde,
doch du mußt sie graben.

 

Du wirst nicht ernten,
wenn jene Saat ersteht
in den Entfernten,
dein Bild ist längst verweht.

 

…riefst den Verlorenen

Tschandalas, Parias -, du

den Ungeborenen

ein Wort des Glaubens zu.

 

aus: „Die Form“ von Gottfried Benn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hintergrund: „Was bleibt“ von Michael Arnold

Warum erinnern wir uns an Hölder in dieser doch etwas ungewöhnlichen Form?

 

Warum Hölder als Rockmusical?

„Spontan, kurz und ehrlich: Weil es Spaß macht. Wenn es damals schon Stromgitarren gegeben hätte, wer weiß, wie sich Beethoven und Kollegen angehört hätten. Also warum nicht? Oder eben gerade deswegen...“

Michael Huter, Gitarre

„Weil es die ehrlichste, energiegeladendste moderne Musikrichtung ist. Von voll auf die Zwölf bis Opus ist alles möglich. Mach' mal ein Musical mit Lambada-Musik. Da drehst du nach drei Titeln durch?!“

Tilmann Schoch, Piano

„Es ist spannend, diese alten Ansätze in die neue Zeit zu kriegen und die Musik intuitiv darum herum zu komponieren. Die Gefühle, die Unzufriedenheit der Texte in die Musik zu übertagen ist nicht einfach, aber eben deshalb aufregend.“

Johan Schwarzkopf, Drums

Im Musical finden diese Überlegungen zusammen.

 

Sie äußern sich zum Beispiel so:

Song 1-8 Wanderer

Redaktion: Edda Schwarzkopf

Aktiv beigetragen haben: Edda Schwarzkopf, Eva Ehrenfeld, Johan Schwarzkopf, Peter Lenk, Michael Arnold, Michael Huter, Tillmann Schoch

Zitiert wurden: Johann Friedrich Hölderlin, Andreas Hartmann, Jan Assman, Elizabeth Timm, Sherlock, Waldemar Schröder, Emmerich Andersen, Ivo Beuker, Anton Echter, Gottfried Benn