Making of

AUTOREN AM WERK – FREUNDE FÜRS LEBEN.

Ausgang der Handlung ist ein kurzer Moment im Leben von Friedrich Hölderlin. 22jährig, zusammen mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Schelling in einer Bude im Tübinger Stift wohnend. Dort studierten die Drei Theologie und Philosophie. Hegel, Schelling, Hölderlin: eine einmalige Konzentration aus Talent, Intelligenz und Welt-Wissen, gepaart mit Verzweiflung und Auflehnung.

 

Das Autoren-Duo Kießling und Schwarzkopf hebt das sogenannte „älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ – welches Hegel, Schelling und Hölderlin während ihrer Tübinger Studienzeit formulierten – in den Mittelpunkt der Musical-Handlung. Auf zwei DIN-A-4-Seiten skizzierten sie nicht weniger als eine allumfassende Gesellschafts-Utopie, die es mit allen vorherrschenden Ungerechtigkeiten aufnehmen sollte. Um jedem Menschen, unabhängig von Rang, Geschlecht, Alter, Herkunft ein glückendes Leben zu ermöglichen.

 

 

Gesellschafts-Utopien waren damals an der Tagesordnung, weil es allen Grund gab über alternative Formen des Zusammenlebens nachzudenken. Komfort und Freiheit war ein Privileg wohlhabender, mit mächtigen Beziehungen ausgestatteter Menschen. Monarchen und Autokraten waren als Staats-Chefs zwar gebräuchlich, aber von der großen Mehrheit nicht (mehr) gewünscht. Amerika befreite sich im Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783 aus der Kontrolle der Kolonialmacht Englands. Frankreich bewegte sich von 1789 bis 1799 auf einem nicht minder blutigen Weg zu Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Die Studenten-Hochburgen Deutschlands sympathisierten mit den revolutionären Ideen und strebten ihrerseits einen Wechsel der Regierungsform hin zur Demokratie an – auch die Studentenschaft in Tübingen. Doch mit welchen Mitteln sollte dies geschehen? An Stelle von Kanonen und Bajonetten führten Hegel, Schelling und Hölderlin die Philosophie und die Kunst ins Feld. Der Plan war, mit Poesie die Welt zu verändern!

KOMPOSITION IM PROZESS: „DER WANDERER“

Ton und Text finden zusammen. Im Proberaum von Hölders Welt oftmals zur selben Zeit – im Moment. Die Band Hölders Welt trifft sich wöchentlich zur Kompositions-Jam-Session. Die Themen werden grob skizziert, die Stimmung, die agierenden Charaktere angerissen. Es gibt erste Satzfragmente, Harmonie-Entwürfe, Rhythmus-Pattern – und los gehts. Etwas entsteht, das gerade noch nicht existierte. Ganz wichtig dabei: alles wird aufgezeichnet. Im Nachklang wird eine Vielzahl an Sprachmemos analysiert und die besten Ideen werden herausgegriffen, um sie weiterzuspinnen. Ähnliches passiert mit dem Text – auch hier gibt es Fragmente und Skizzen, die zur Melodiefindung verwendet werden. Das Finetuning geschieht dann eher in der Stillen Kammer. Ausformulierte Texte benötigen Ruhe. 
In einem zweiten Step wird die Rohversion feingeschliffen. Eine Aufnahme mit höherer Qualität in Mehrspurtechnik wird erzeugt, die später auch als Grundlage für Chor- und Streichersätze dient. Gleichzeitig ist es hierbei möglich, alternative Melodieführungen für die untschiedlichen Solisten anzulegen.

„ZEIT FÜR DIE WENDE“ – Musical-Lieder erstmals LIVE ON STAGE

Wenn Lieder zum erstenmal auf Publikum treffen ist das ein besonderer Moment. Das Hölderlin-Musical erlebte schon zwei dieser außergewöhnlichen Abende. Zum erstenmal beim 50jährigen Jubiläum des Födervereins des  Hölderlin-Gymnasiums Lauffen am Neckar. Genau die Schule an der 3 der 5 Musiker von Hölders Welt 1986 eine Schulband gründeten, die jetzt das Hölderlin-Muscial komponiert. Eine Heimkehr der besonderen Art also, die von einem begeisterten Publikum gefeiert wurde.

Mit einem neuen Konzept: der Begegnung von Lyrik (Lyrik-Fans trugen ihre Lieblingsgedichte vor) und Musik aus dem Hölderlin-Musical startete das städtische Kulturprogramm der Stadt Lauffen am Neckar „bühne frei“ im Frühjahr 2018 einen Versuchsballon. Er flog – und wie! So gut, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit 2020 eine Neuauflage der Begegnung von Lyrik und Musik geben wird.